Titelbild zum Artikel Feiern in Freiheit und Mitbestimmung

Vom 22. bis 24. August 2025 fand das Zentralfest des Schweizerischen Studentenvereins zum achten Mal in Sarnen statt. (Foto: Andreas Waser v/o Loop)

04.09.2025

Feiern in Freiheit und Mitbestimmung

Mike Bacher v/o Archiv lässt das Zentralfest des Schw. StV in Sarnen Revue passieren. Eine leicht gekürzte Version dieses Beitrags erschien am 25. August 2025 in der lokalen Presse.

Den Auftakt zum Zentralfest des Schweizerischen Studentenvereins in Sarnen bildete am Freitag die Delegiertenversammlung mit dem anschliessenden wissenschaftlichen Anlass. An diesem sprach Professor Urs Altermatt v/o Solo als Zentralpräsident 1967/68 über die damalige Aufnahme von Frauen in den Verein. Er erinnerte daran, wie sich der Schw. StV seit dem 19. Jahrhundert als politischer Bildungsverein verstand. Gerade angesichts dieses gemeinsamen Ziels sei es möglich geworden, «die Frauenfrage an die erste Stelle zu setzen». Im Rahmen harter Debatten wurde diese Frage damals zugunsten der Frauen entschieden. Gemäss Altermatt v/o Solo mit Erfolg: «Die Frauenaufnahme wirkt weiter. Ein gutes Drittel der aktiven Studierenden sind heute Frauen.» Die anschliessende Podiumsdiskussion mit der Zentralpräsidentin Marina Glaninger v/o Ambivalla und der Gemeinderätin Cornelia Amstutz v/o Cayenne zeigte, wie stark sich die Mentalitäten in den letzten sechs Jahrzehnten gewandelt haben. Im Vordergrund stehen heute klar die individuellen Fähigkeiten. Entsprechend hielt Glaninger v/o Ambivalla fest, dass über die Geschlechterfrage hinweg ein zentraler Punkt gilt: «Wer eine Führungsposition inne hat, muss Menschen mögen.»

Einsatz für das Gemeinwohl 

Am folgenden Samstag zeigte sich während der abendlichen Dämmerung im Sarner Ortskern ein spezielles Schauspiel: Der Fackelzug. Nur von den brennenden Fackeln beleuchtet, zogen die Studenten durch die Strassen zum Dorfplatz, wo sich die Fahnendelegationen im Halbkreis aufstellten und die Teilnehmer versammelten, um der Brandrede zu lauschen. In dieser ging der Zürcher Ständerat Daniel Jositsch v/o Malz auf die Bedeutung des Engagements für die Allgemeinheit ein. Dabei betonte er die Bedeutung des Schw. StV als Beispiel, wie sich junge Menschen für das Gemeinwohl einsetzen. Aus diesem Gedanken heraus begründete er, weshalb der Verein wieder mehr Bedeutung in der Politik haben sollte. Speziell hob er dabei die Service-Citoyen-Initiative hervor. Mit dieser können alle in unserer Gesellschaft Verantwortung übernehmen. Denn «ein starker Staat besteht nur, wenn es Bürgerinnen und Bürger gibt, die sich darin engagieren». Als Hoffnungsträger für die Zukunft wurden im Anschluss vor dem Rathaus die Kandidaten für den Schw. StV durch die Zentralpräsidentin mit Handschlag und Übergabe des rot-weiss-grünen Bandes aufgenommen (die Rede der damals amtierenden Zentralpräsidentin Marina Glaninger v/o Ambivalla kann hier nachgelesen werden). Ein Ritual, das innerhalb der Vereinsgeschichte weit ins 19. Jahrhundert zurückreicht.

Ein Festsonntag mit «Fuchsen, Burschen und Veteranen» 

Der Festgottesdienst am Sonntag füllte die Kollegiumskirche. Gemeinsam mit dem Diözesanbischof Joseph Maria Bonnemain v/o Pace zelebrierte eine grosse Schar Priester. Passend zu seinem Studentennamen ging Bischof Bonnemain auf die Verbundenheit zwischen den Menschen ein, gemäss der inneren Haltung in der Nachfolge Christi: «Es geht um das Tun; es geht um Recht- oder Unrecht-Tun, Gerechtigkeit und Recht beginnen im Herzen.» Die ganze Festpredigt von Mgr. Josef Maria Bonnemain v/o Pace kann hier nachgelesen werden.

Zahlreiche Ehrengäste trafen sich beim anschliessenden Volksapéro mit der Bevölkerung und den Vereinsmitgliedern, darunter auch der neue Bundesrat Martin Pfister v/o Janus. Sein Studentenname (nach dem zweigesichtigen römischen Gott) verweist auf seine Fähigkeit, als Historiker in die Vergangenheit zu blicken und gleichzeitig die Zukunft zu gestalten. Solche Perspektiven waren auch beim anschliessenden Festumzug zu sehen. Junge Fuchsen zu Fuss und würdige Veteranen in Oldtimern, angeführt von den Fahnendelegationen der einzelnen Verbindungen, ergaben eine farbenfrohe Mischung aus verschiedenen Epochen. Auch dieser Zug führte zum barocken Rathaus, vor dem der «Nebelspalter»-Redaktor Dominik Feusi v/o Caritas die Festrede hielt.

«Den Riesenkampf mit dieser Zeit zu wagen»

In seiner Festrede ging Feusi v/o Caritas auf die Grundlagen des nationalen Zusammenhalts ein (die ganze Festrede von Dominik Feusi v/o Caritas kann hier nachgelesen werden). «Es sind diese beiden Errungenschaften – Freiheit und Mitbestimmung – die dieses Land zusammenhalten.» Dabei gehörten zur Mitbestimmung alle politischen Institutionen sowie der ganze politische Prozess. Doch sei dieser nicht selbstverständlich, insbesondere heute. Gemäss dem Bundeslied des Schw. StV soll der «Riesenkampf mit dieser Zeit» gewagt werden, um «für Recht und Eigentum in Kampf zu gehen». Angesichts der derzeitigen Weltpolitik könne dies aktueller werden, als uns lieb sei. Denn gemäss Feusi v/o Caritas ist die «Verteidigung von Recht, Freiheit und Demokratie nicht einfach der Politik zu überlassen. Diese offene und freie Gesellschaft lebt von den Bürgerinnen und Bürgern, den Netzwerken, die sie bilden, von den Institutionen, die daraus entstehen.» Eine solche Institution sei der Schw. StV, in dem auch eine Debattenkultur gelernt werde. Gerade dies sei von grundsätzlicher Bedeutung. Denn «die grösste Gefahr für die offene Gesellschaft sind Bürgerinnen und Bürger, die nicht mehr zwischen richtig und falsch unterscheiden können. Leute, die relativistisch alles für irgendwie gleich richtig erachten, die Debatte verweigern oder einfach an der Debatte nicht mehr teilnehmen.» Deshalb brauche die Schweiz den Schw. StV, «mehr denn je, jeden Einzelnen von Euch als Bürgerin und Bürger dieses Landes, als Teilnehmerin und Teilnehmer an den Stammtischen der Nation».

«Für 50 Jahre Treue, für 50 Jahre Haltung, für 50 Jahre Lebensbund»

Im Anschluss an die Festrede fand die Ehrung der Veteraninnen und Veteranen statt, die dem Schw. StV seit 50 Jahren treu verbunden sind. In ihrer Rede sagte die abtretende Zentralpräsidentin Marina Glaninger v/o Ambivalla an die Veteraninnen und Veteranen gerichtet: «Ihr habt nicht nur diskutiert, sondern hinterfragt. Nicht nur gelesen, sondern verstanden. Ihr habt euch nie mit dem Leichten zufriedengegeben, sondern das Intellektuelle gesucht, das Fundierte verteidigt und das Wahre bewahrt. In einer Zeit, in der man uns glauben machen will, dass Wahrheit verhandelbar sei, habt ihr gezeigt: Vincit Veritas – die Wahrheit obsiegt. Und genau deshalb ist dieser Moment heute ein Höhepunkt unseres Festes. Es ist eine Ehre, euch das Veteranenband zu überreichen – ein Zeichen für 50 Jahre Treue, für 50 Jahre Haltung, für 50 Jahre Lebensbund. Ihr habt nicht nur den Schweizerischen Studentenverein geprägt – ihr habt ihn verteidigt, gestärkt und weitergetragen.» Die ganze Rede von Marina Glaninger v/o Ambivalla kann hier nachgelesen werden.

Mike Bacher v/o Archiv (Beitrag verfasst für die Obwaldner Zeitung, 25.8.2025). 

Mit einem grossen Dank an Mike Bacher für diesen Beitrag und einen ebensolchen Dank an die Redaktion der OZ für die erteilte Erlaubnis, diesen Beitrag in leicht angepasster Form auf CIVITAS online publizieren zu dürfen.

 

Fotos: Nico Jenny v/o Lucerovic (Slider 1), Morgane Baumgarten v/o Thalassa und Andreas Waser v/o Loop (Sliders 2, 3 und 4).

Dominik Feusi v/o Caritas, alt-CP und stellvertretender Chefredaktor beim «Nebelspalter», hielt am GV-Sonntag, 24. August 2025, die Festrede auf dem Dorfplatz Sarnen. (Foto: Morgane Baumgarten v/o Thalassa)

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